Wie giftige Menschen dein Burnout beeinflussen und 3 Wege, wie Du mit ihnen umgehen kannst

 

Dies ist der erste Artikel, der sich mit dem Thema Umfeld beschäftigt. Heute wirst Du von mir erfahren, woran Du Menschen erkennst, die dein Befinden ungünstig beeinflussen, wie Du mit ihnen umgehen kannst und im Umkehrschluss, welche Menschen Dir guttun und wie Du eine Neusortierung deines Umfelds umsetzen kannst!

 

Warum das so wichtig ist, versinnbildlicht eine alte Geschichte aus Asien, die von zwei Hühnerbauern erzählt.


Der eine geht jeden Morgen in den Stall und sammelt all die Hühnerkacke ein, die er finden kann. Den nahrhaften Eiern schenkt er keine Beachtung und lässt sie einfach zum Verrotten liegen. Er konzentriert sich nur auf den Hühnermist und trägt diesen körbeweise ins Haus. Dadurch fängt sein schönes Heim an zu stinken und auch seine Frau und Kinder werden immer unzufriedener je öfter er die Scheiße mit nach Hause bringt.

 

Sein Nachbar wiederum macht das ganz anders. Er lässt den Mist dort liegen, wo er hingehört: vor der Tür, im Hühnerstall. Nur die leckeren, gesunden Eier trägt er Heim, wo seine Frau und die Kinder sich täglich darüber freuen, und die Familie es sich gemeinsam schmecken lässt.

 

Die 5 Antreiber

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Und damit auch Du zukünftig die Scheiße dort lassen kannst, wo sie hingehört, also da, wo Du sie versehentlich in dein Körbchen gepackt hast, und sie nicht mehr mit nach Hause schleppst, verschaffen wir uns zuerst einmal einen Überblick über die (An-)Forderungen, die Du eventuell an Dich selbst hast, ohne dass Dir das bisher aufgefallen ist. 


Die Psychologen nennen sie die 5 "Antreiber". 


Der Name erklärt sich im Prinzip schon von selbst. Denn ständig getrieben oder angetrieben zu sein, ist ein Gefühl, das jeder Burnout-Betroffene nur zu gut kennt.

 

Dieses Konzept der 5 Antreiber schlüsselt nicht nur innere Überzeugungen auf, die dein Unterbewusstsein in den Kisten deines Kellers abgelegt hat, als Du noch sehr jung warst und nach denen Du lebst, ohne es zu wissen. Es hilft Dir auch, die Menschen in deinem Umfeld zu identifizieren, die diese Überzeugungen mit Dir teilen, diese bewusst oder unbewusst von Dir einfordern und damit Dich und auch dein Unterbewusstsein immer wieder mit ungesunden Ansprüchen und Informationen füttern.

 

Der erste Antreiber heißt „Sei stark!“ - seine Botschaft lautet: Stell Dich nicht so an, beiß die Zähne zusammen, halt durch, hör auf zu heulen, reiß Dich zusammen.

 

Was er mit sich bringt, ist das Gefühl, dass Du vielleicht nicht liebenswert oder anerkannt bist, wenn Du Schwäche zeigst, zum Beispiel, weil Du weinst oder Dich krankschreiben lässt oder zugibst, dass Du Dir alleine nicht zutraust, etwas zu machen oder umzusetzen.

 

Der zweite Antreiber heißt: „Sei perfekt!“ - seine Botschaft lautet: Mach bloß keine Fehler!

 

Was er mit sich bringt, sind viel zu hohe Ansprüche an Dich selbst und andere. Ständiges inneres Abgleichen deiner Leistung mit der anderer, weil Du glaubst, dass nur diejenigen, welche die beste Leistung bringen auch Anerkennung und Liebe bekommen. Hinzu kommt ein „Nicht-Loslassen-Können“: selbst wenn Du etwas zu Ende gebracht hast, findest Du immer wieder etwas, was es noch zu verbessern gibt. Zwar hast Du das Gefühl, Dinge erledigt zu haben, jedoch nie das Gefühl, irgendetwas richtig gut gemacht zu haben.

 

Im Großen und Ganzen geht es dabei also um die Angst, als Loser dazustehen.

 

Der dritte Antreiber heißt: „Mach es allen recht!“ - seine Botschaft ist: Wenn Du nicht brav bist oder wenn Du nein sagst, werden sich alle von Dir abwenden.

 

Was er mit sich bringt, ist die Selbstverständlichkeit, die Wünsche anderer zu erkennen und sich nach ihnen zu richten, oftmals sogar schon bevor diese überhaupt ausgesprochen werden. Den Glauben, dass Du besonders wertgeschätzt und unersetzbar wirst, wenn Du anderen ihre Wünsche von den Augen abliest und sie erfüllst, koste es, was es wolle!

 

Was folgt, ist , dass Du Dich selbst zu vergessen drohst, weil Du so sehr damit beschäftigt bist, die Bedürfnisse anderer zu ergründen und zu erfüllen.

 

Der vierte Antreiber heißt: „Beeil Dich!“ - seine Botschaft ist: Wer rastet, der rostet! Sei immer auf Trab!

 

Was er mit sich bringt, ist innere Unruhe, Rastlosigkeit und das Gefühl, einfach zu nichts zu kommen. Das Gefühl, dass der Aufgabenberg nicht kleiner wird, obwohl Du nichts anderes tust, als Tag für Tag alles abzuarbeiten, und die Überzeugung, dass Du Dir keine Zeit nehmen kannst, um Dir selbst etwas Gutes zu tun, weil der Berg sonst noch größer wird. Und natürlich, weil die perfekte, fristgerechte Erledigung deiner Aufgaben tausendmal wichtiger ist, als dein Wohlbefinden.

 

Du wirst Dich ja wohlfühlen und ausruhen, wenn Du endlich fertig bist - nächstes Jahr oder so. Wie sieht das denn bitteschön aus, wenn Du hier stundenlang auf dem Sofa liegst, während ein ganzer Stapel Arbeit auf Dich wartet? Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

 

Der fünfte und letzte Antreiber heißt: „Streng Dich an!“ - seine Botschaft lautet: Von nichts kommt nichts!

 

Was er mit sich bringt, ist die feste Überzeugung, dass Erfolg nur dann Erfolg ist, wenn der Weg dahin so richtig anstrengend war.

 

Arbeit muss schwer sein, sie ist nicht dazu da, dass Du mit dieser glücklich wirst, Geld verdient man nicht im Schlaf. Und wenn es Spaß macht, ist es keine Arbeit, sondern ein Hobby. Und dafür, dass Du an etwas Spaß hast, verdienst Du nichts. Auf jeden Fall keine Anerkennung und schon gar kein höheres Gehalt – Du hast ja schon Freude an der Tätigkeit, jetzt werd mal nicht unverschämt, wo kämen wir denn hin, wenn jeder Freude an seiner Arbeit hat und mit dieser ein vernünftiges Gehalt verdiente?! ;-)

 

Hier kommt meine erste kleine Hausaufgabe für Dich.

 

Überleg mal, woher Du diese Aussagen und Überzeugungen kennst. Ich komme gleich zu den Menschen in deinem heutigen Umfeld, aber jetzt möchte ich den Moment nochmal nutzen, Dich zu ermutigen und zu unterstützen, einen Blick in den Keller deines Unterbewusstseins zu werfen.

 

Wenn Du an deine Kindheit, deine Bezugspersonen und Vorbilder denkst, wer hat Dir vermittelt, dass Du Dich immer zusammenreißen sollst? Dass Du keine Memme sein darfst? Oder dass man sich dem Leben hängenden Kopfes fügen muss?


Wer hat Dich für Fehler bestraft und vielleicht gern einmal aus einer Mücke einen Elefanten gemacht? Wer war nie zufrieden mit seinen Leistungen bzw. mit denen seines Partners oder seiner Kollegen und hat seinem Ärger über die Nutzlosigkeit dieser Personen regelmäßig Luft gemacht um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken oder seine eigenen Leistungen ständig schlecht geredet und sein Licht untern Scheffel gestellt?


Wer hat sich über andere aufgeregt oder gar lustig gemacht, wenn sie seine Forderungen oder Ansprüche nicht erfüllen wollten und ihnen Egoismus, Nutzlosigkeit und Versagen unterstellt? Wo hast Du gelernt, dass man immer irgendwas machen muss? Dass es keinen guten Eindruck macht, wenn Du Dich ausruhst und Dich „gehen lässt“? Dass man niemals aufgeben darf, auch wenn alle Bemühungen noch so vergeblich sind? Dass man Dinge auch zu Ende bringen muss, auch wenn man es eigentlich gar nicht mehr möchte?

 

Das sind Fragen, die Dir helfen werden, alte Glaubensmuster aufzulösen.

 

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Vermutlich hast Du beide Seiten der Medaille als Kind kennengelernt:

 

Diejenigen, die fordern, aber auch diejenigen, die sich diesen Forderungen beugen, weil sie glaubten, dass das gar nicht anders gehen kann, ohne gesellschaftlich geächtet zu werden.

 

Und jetzt komme ich zum eigentlichen Knackpunkt dieses Artikels: dein Umfeld, die Menschen, die Dich heute umgeben und die vielleicht die gleichen Forderungen an Dich stellen oder dein Tun genau so bewerten, wie Du es schon aus Kindertagen kennst.

 

Du wirst sie wahrscheinlich überall finden können: im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft, unter deinen Nachbarn und vielleicht auch immer noch in deinem Familienkreis.

 

Das ist Hausaufgabe Nummer 2: Nachdem Du Dir all die Fragen in Bezug auf deine Kindheit gestellt hast, stell sie Dir nochmal in Bezug auf deine heutige Situation. Du wirst feststellen, dass es einige Personen gibt, die Dich und dein Unterbewusstsein in der Annahme, dass Du immer funktionieren musst, durch ihre Forderungen an Dich bestätigen und somit die falschen Kisten größer werden lassen.

 

Und falls Du Dich gerade fragst, wovon zur Hölle ich rede – ließ Dir meinen Artikel „Wie Du die wahre Ursache für dein Burnout erkennst und wie Du sie beseitigst in 5 Schritten“ durch, dort erfährst Du einiges über das Unterbewusstsein, was es eigentlich den lieben langen Tag so macht und was es mit den Kisten auf sich hat.


In diesem Artikel habe ich auch schon angedeutet, dass Du auf Dich und dein Unterbewusstsein gut achten und ihr euch von schlechten Einflüssen fernhalten solltest. Manchmal ist das jedoch nicht so einfach, daher werden wir jetzt erst einmal dein Umfeld etwas sortieren und ich werde Dir ein paar Tipps mit auf deinen Weg geben, wie Du Dich schützen kannst, ohne es Dir gleich mit allen zu verscherzen.

 

Grundsätzlich gilt folgendes:

 

Je näher Dir jemand steht, desto größer ist der Einfluss seines Denkens und Handelns auf dein Wohlbefinden. Je näher Dir jemand steht, desto schwerer wird Dir auch die Abgrenzung fallen, weil hier die Angst, abgelehnt zu werden, am größten ist.

 

Das ist ganz normal.

 

Ich könnte Dir jetzt sagen, dass die Welt eigentlich gar nicht so läuft. Und dass es viele Leute gibt, die ihre Freunde, Kollegen und Familienmitglieder auch dann lieben und schätzen, wenn sie schwach sind oder versagen. Mehr noch, dass sie sie sogar wegen ihrer Fehler und Schwächen lieben. Denn das macht einen Menschen erst vollständig und liebenswert - seine Stärken UND seine Schwächen. Du wärst nicht Du, ohne all das, was Du besonders gut kannst. Du wärst aber auch nicht Du, ohne deine liebenswerten Schwachstellen.

 

Und doch ist es gut möglich, dass Du mir das in diesem Moment nicht so richtig glauben kannst, weil Du schon ganz oft das Gegenteil erfahren hast.

 

Das ist okay für mich und für Dich auch. Der Mensch und sein Unterbewusstsein sind Gewohnheitstiere und es wird möglicherweise einige Überwindung, Übung und Erfahrung brauchen, um Dich vom Gegenteil zu überzeugen.

 

Kein Problem, ich hab Zeit. Und noch einige Artikel parat, in denen wir uns langsam vorwärts tasten können. ;-)

 

Ich mache jetzt erstmal weiter mit den ersten 4 Schritten im Umgang mit Menschen, von denen Du Dich gestresst fühlst:

 

Der erste Schritt ist relativ ungefährlich. Du bist erwachsen. Wenn hier einer bewerten kann, ob Du dein Bestes gegeben hast, ob Du fleißig bist, ob es sich in bestimmten Situationen lohnt die Zähne zusammen zu beißen oder aufzugeben, dann bist Du das. Nur Du. Das hier ist dein Leben und Du hast es in der Hand. Und da es dein Leben ist, bist Du auch der einzige, der sich darin auskennt und entscheiden kann, was das Richtige für Dich ist und was nicht. Nicht dein Chef, nicht dein Nachbar, nicht dein Getränkehändler.

 

Wenn Dir also irgendwer erzählen will, was für ein fauler Versager Du bist, dann nimm das nicht einfach so hin! Wie gesagt, Du bist erwachsen und kannst Dir dein eigenes Urteil über Dich bilden. Dazu haben die anderen nicht das Recht. Und wenn Du findest, dass Du müde bist und Dich aufs Sofa legen möchtest, statt vor der Tür zu kehren, dann ist das so. Basta.

 

Ich mein, was wollen sie denn machen? Die Tür eintreten und Dich auf dem Sofa hinaustragen?

 

Wenn Du auf der Arbeit einfach alles gegeben hast und trotzdem runtergeputzt wirst, nimm Dir das nicht einfach so an! Wenn Du das Beste gegeben hast, was Du an diesem Tag geben konntest (wie viel das ist, variiert von Tag zu Tag - dazu mehr in meinem Artikel „6 dreiste Tipps, wie Du besser durch den (stressigen) Arbeitsalltag kommst“), dann reicht das auch.

 

Was dein Bestes ist, weißt nur Du selber – die anderen stecken da nicht drin, auch dein Chef nicht. Und von Leuten, die keine Ahnung von dem haben, was sie Dir erzählen, brauchst Du Dir auch nichts annehmen.

 

Um es noch ein bisschen deutlicher zu machen:

 

Jeder, der Dir erzählt, dass er besser weiß als Du, was gut für Dich ist oder ob Du dein Bestes gegeben hast oder nicht, ist ein Lügner und ein anmaßendes Arschloch noch dazu. Von solchen Leuten brauchst Du Dir gar nichts anzunehmen. Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Und auf keinen Fall ins Körbchen packen. Ganz klar.

 

Der zweite Schritt ist etwas für mutige Tage. Langfristig sollten so wenig Menschen in deinem Umfeld wie möglich schädlich für dein inneres Gleichgewicht sein. Denn Du willst ja mit einem Korb voller Eier und nicht mit einem voller Hühnerkacke nach Hause kommen. Fang dort an auszusortieren, wo es Dir am Leichtesten fällt:

 

Angenommen, Du kommst nach Hause und dein keifender Nachbar flippt schon wieder aus, weil Du die Treppe nicht gekehrt hast. Dass Du Dir diese überzogene Kritik nicht annehmen musst, haben wir gerade schon geklärt, alles Hühnerkacke.

 

Jetzt wird es Zeit, dem Gequatsche deines Nachbarn einen Riegel vorzuschieben, und zwar dauerhaft: Es ist wichtig, dass Du verstehst, dass Du ihm indirekt bestätigst, dass er das Recht hat über Dich zu urteilen und sich aufzuregen, sobald Du anfängst Dich zu rechtfertigen.


Wärst Du Dir nämlich sicher, dass es okay ist, wenn Du die Treppe mal ein bisschen später kehrst, würdest Du Dich dafür nicht rechtfertigen. Und das weiß auch dein Nachbar. Also bleib cool, lächle ihn an, sag irgendwas Unverbindliches, wie „Ich werde mich darum kümmern.“, und lass ihn stehen. Wenn Du einen guten Tag hast, wünsch ihm meinetwegen noch einen schönen Abend und dann geh deines Weges. Lass Dich nicht festnageln.

 

Wenn er von Dir wissen will, wann GENAU Du jetzt gedenkst die Treppe zu kehren, lächle nochmal, sag „Das kann ich Ihnen im Moment leider nicht sagen.“, und geh! Wenn er Dich dann immer noch nicht in Ruhe lässt, sag ihm in einem wirklich netten Ton, dass Du Dich gerne weiter unterhalten würdest, Dir aber leider gerade die Zeit fehlt. UND GEH!

 

Wenn er jetzt nicht aufhört, ist das sein Problem. Du hast ihm vermittelt, dass Du das Kehren der Treppe auf dem Schirm hast, Du hast ihm gesagt, dass Du selbst gerade leider nicht weißt, wann Du dies machen wirst und Du hast ihm nett vermittelt, dass dieses Gespräch für Dich jetzt beendet ist. Wenn er es nicht begreift, kann das nicht dein Problem sein. Er wird damit leben müssen, dass es für Dich gerade wichtiger ist, Dich auszuruhen, statt die Treppe zu kehren. Und Du wirst auch lernen müssen, damit zu leben. Das ist also für euch beide keine so einfache Situation.

 

Es wird eine Weile dauern, aber Du wirst dieses Muster, wie Andere versuchen Dich in die Enge zu treiben, um das zu erzwingen, was sie von Dir wollen, durchschauen.

 

Dich galant von solchen Energiesaugern zu distanzieren, ist reine Übungssache und das Gefühl, welches Du bei den ersten Anläufen wahrscheinlich haben wirst, nämlich, dass Du etwas ganz Schlimmes machst und sich die Hölle unter Dir auftut, ist ganz normal. Dein Unterbewusstsein hat fälschlicherweise gelernt, dass man sich Forderungen anderer nicht entziehen darf. Es hat noch nie versucht sich anderen zu widersetzen, zumindest nicht so. Also hat es Angst.


Probier deshalb diese Taktik erst einmal bei Leuten, vor deren Verlust Du weniger große Angst hast. Du wirst aufgeregt sein beim 1. ,2. ,3. Mal, aber Du wirst Dich im Nachhinein besser fühlen. Und mit jedem Mal, bei dem Du Schritt 2 probierst und merkst, dass dabei niemand stirbt und dass Du Dich mehr und mehr erleichtert fühlst, wird diese Angst kleiner werden und eines Tages sogar komplett verschwinden, weil dein Unterbewusstsein die alten Kisten rausgeschmissen und neue Kisten mit gesunden Abgrenzungserfahrungen in deine Regale eingeräumt hat.

 

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Schritt 3: Schau Dich im Freundes- und Bekanntenkreis um. Du wirst feststellen, dass Du es mit zwei Arten von Menschen zu tun hast. Die einen zeigen Verständnis, wenn es Dir nicht so gut geht oder Du im Stress bist. Das sind die, die die Eier für dein Körbchen haben. Vielleicht hat der ein oder andere von ihnen Dir schon gesagt, dass Du Dir nicht so viele Gedanken machen sollst oder ruhig mal etwas kürzer treten und Dir selbst etwas Gutes tun könntest. Die anderen überhören oder übergehen gar deine Bedürfnisse und werfen förmlich mit Hühnerkacke um sich.

 

Zur Veranschaulichung habe ich Dir die Geschichte von Andrea mitgebracht:

 

Andrea hatte sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Ihr Job war anstrengend und obwohl ihr Arbeitsplatz einem Hühnerhaufen glich, in dem die Hälfte ihrer Kollegen wie Hühner mit abgeschlagenen Köpfen wild durcheinander liefen, während die anderen rumsaßen und nur wild gackerten und keiner machte, was er sollte, gab sie in ihrer Tätigkeit trotzdem immer alles.


Doch irgendwann konnte sie nicht mehr. Sie war frustriert, weil alles, was sie sich mühevoll in diesem Haufen erarbeitet hatte, wenig später von den wirren Kollegen mit dem Hintern wieder eingerissen wurde. Sie pflegte zu dieser Zeit ihre Mutter, was auch nicht einfach war und dann erwischte sie irgendwann das Burnout. Während ihrer Krankschreibung begann sie, sich mehr auf sich zu konzentrieren. Sie fragte sich, was sie sich eigentlich für ihr Leben, ihre Familie und auch ihre Arbeit wünschte. Sie stellte fest, dass sie um das herauszufinden, erst einmal etwas Ruhe und Zeit für sich brauchte.

 

Andrea hatte eine Freundin. Ab und zu trafen sich die beiden auf einen Kaffee. Und obwohl Tatjana ihre Freundin war und Andrea ihr sagte, sie bräuchte etwas Zeit für sich, forderte Tatjana immer wieder Andreas Aufmerksamkeit ein. Sie rief sie oft an und schickte Nachrichten, weil sie sich mit Andrea treffen wollte. Wenn Andrea nicht sofort reagierte, wurde Tatjana sauer und ließ sie das durch ständige Vorwürfe auch spüren.


Andrea wollte nicht mehr in ihren alten Job zurück. Sie musste sich darüber klar werden, welche Arbeitsbedingungen sie an einer neuen Arbeitsstelle vorfinden wollen würde, um für sich herauszufinden, wo sie sich denn bewerben könnte. Sie war ratlos. Sie brauchte Zeit. Und die hatte sie ja durch die Krankschreibung eigentlich auch. Aber Tatjana konnte das nicht akzeptieren. Sätze wie „Du musst auch mal rauskommen. Du musst auch mal etwas mit mir unternehmen. Warum hast Du nicht zurückgerufen? Los, wir finden einen neuen Job für Dich damit Du schnell wieder arbeiten kannst, usw.“ waren an der Tagesordnung. Und plötzlich hatte Andrea einen Geistesblitz!


Bei unserem nächsten Treffen sah sie mich mit weit aufgerissenen Augen an und meinte mit einer Mischung aus Empörung und Überraschung: „Du, Suzy, die will mir gar nicht helfen. Sie will SICH helfen! Sie will, dass ich funktioniere damit sie mit mir Kaffee trinken und über belanglose Dinge reden kann. Sie will das Ganze schnell und effektiv abhaken, indem sie mich beschwatzt, nur schnell wieder irgendwo und irgendwas zu arbeiten, weil sie es stört, dass ich meine Energie jetzt erstmal nur in mich investiere und nicht in Partys und Kaffee mit ihr! Und weil sie sich nicht mit mir und mit dem, wie es mir wirklich geht, auseinandersetzen will. Suzy, jemand, der weiterhin auf Teufel komm raus versucht an mir zu schrauben, nur damit er selber den größtmöglichen Nutzen davon hat, obwohl es mir offensichtlich nicht gut geht, kann doch nicht ehrlich meine Freundin sein.“

 

WOW! Andrea, eine wichtige Erkenntnis!

 

Sie blieb auf ihrem Weg. Was folgte, waren einige letzte Versuche von Tatjana, sie emotional ein wenig zu erpressen. Andrea blieb standhaft. Heute ist sie mit Tatjana nicht mehr befreundet und sehr froh darüber.

 

Wenn Du deine Hausaufgaben gemacht hast, weißt Du jetzt wahrscheinlich schon ganz gut, wer von deinen Freunden, Kollegen, Familienmitgliedern ständig durch die 5 Antreiber mit Dir spricht.

 

Und nach der Geschichte eben, wird Dir eventuell auch langsam bewusst, dass dies nicht deine echten Freunde sein können. Du musst nicht radikal den Kontakt zu all diesen Leuten abbrechen, aber Du darfst deine Energie frei verwalten.

 

Es gilt, wie ich anfangs schon erwähnt habe, die Faustregel:

 

Je näher Dir Menschen mit so einem Charakter stehen, desto ungesünder für Dich!

 

Dies sind Begegnungen, bei denen nichts als Hühnermist in deinem Körbchen landet.

 

Also, triff Dich seltener mit ihnen, nimm Dir ihre Kritik keinesfalls zu Herzen - denn sie wollen nicht wirklich dein Bestes - und vor allem, meide diese Freunde an Tagen, an denen Du müde, niedergeschlagen und empfindlich bist. Die Strategie ist langfristig übrigens die gleiche, wie mit deinem Nachbarn und der Treppe.

 

Wenn Dir die offene Abgrenzung gegenüber diesen Menschen am Anfang noch zu heikel ist, sind kleine Notlügen erlaubt. Dann hast Du eben keine Zeit, weil Du so viel arbeiten musst, Du Migräne hast, Du deiner Oma helfen musst, dein Kind krank ist oder so ähnlich. Das ist nicht die feine englische Art, aber es ist auch noch kein Meister vom Himmel gefallen, und was Du jetzt, mitten im Burnout brauchst, sind positive Inspiration und Zeit, in Dich reinzuspüren. Wenn es nicht anders geht, muss hier die Moral ein bisschen hinten anstehen.

 

Und wenn Du die Abgrenzung lange genug an deinem Nachbarn oder wem auch immer ausprobiert und deine Ängste abgelegt hast, trau Dich zur nächsten Stufe: Abgrenzung üben im näheren Umfeld und auf der Arbeit.

 

Schritt 4: Wenden wir uns zum Schluss den positiven Aspekten zu.

 

Wie Du mit der Art von Menschen umgehst, die für Dich eigentlich alles nur noch schlimmer machen, haben ich gerade ausführlich beschrieben. Woher der Hühnermist in deinem Körbchen kommt auch.

 

Was war denn jetzt aber eigentlich mit denen, die Dir schon öfter gesagt haben, dass sie finden, dass Du Dir eine Pause gönnen solltest?

 

Aller Wahrscheinlichkeit nach sind das deine wahren Freunde. Mit den richtig dicken Eiern.

 

Burnout Abgrenzung

Und vielleicht gibt es den ein oder anderen unter ihnen, der in etwa das Gleiche durchmacht oder durchgemacht hat wie Du gerade. Diese Personen sind im Burnout-Prozess deine wichtigste Ressource! Teile mit ihnen nicht nur, wie Du Dich fühlst, sondern erzähle ihnen auch von deinen Erkenntnissen und den Dingen, die Du für Dich umsetzen möchtest. Teile auch kleine Erfolge mit ihnen, z.B. wenn Du deinen Nachbarn das erste Mal erfolgreich auf der Treppe stehen lassen hast.

 

Solltest Du zwischendurch in alte Muster zurückfallen oder Angst bekommen, werden sie es sein, die deinen Weg verstehen und Dir an schlechten Tagen sagen können, dass Du wirklich, wirklich, wirklich kein Versager bist und dass sie begeistert über deine Fortschritte sind und wie sehr sie sich für Dich freuen, weil Du deine Sache gut machst. 


Sie werden deine Verbündeten sein, deinen Fokus gerade rücken, wenn Du im Begriff bist, Dir harsche Kritik von den falschen Leuten anzunehmen oder ein schlechtes Gewissen hast, weil Du deine Energie nicht mehr verschleuderst und deine blöde Kollegin Dir genau das gerade mal wieder unter die Nase gerieben hat. Und wenn sie zufällig an dem gleichen Punkt stehen wie Du, werdet ihr beide unheimlich von eurer Verbindung profitieren, da ihr euch gegenseitig inspiriert, versteht und auffangt. Euch gegenseitig die Eier zuschiebt, sozusagen.

Falls es Du niemanden kennst, der ebenfalls von Burnout betroffen ist und das Ganze so unkonventionell angeht wie Du, dann findest Du hier meinen kurzen Artikel zum Thema „Austausch mit anderen Betroffenen und Erfahrungsberichte“.

 

Du weißt aus den letzten Artikeln schon, dass dein Unterbewusstsein vertrauensselig ist wie ein 3-jähriges Kind. Sei also eine gute Mutti für Dich selbst, und entscheide gewissenhaft, mit wem dein Schützling spielen darf.

 

Halte es fern von den vulgären Prügel-Rüpeln und erkläre ihm, dass es sich von denen besser gar nichts annehmen sollte, falls es doch mal aus Versehen zu einer Begegnung mit ihnen kommen sollte. ;-)

 

Und: Zieh Dir Gummistiefel an, wenn Du durch den Hühnerstall läufst um Eier zu sammeln.

 

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Deine Suzy.

 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus: Staffel 1 Folge 6 "Umfeld & Umwelt" :

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