Lebensenergien, Auszeiten und das Aufgeben

Du bist die ersten Meter Deines ganz individuellen Weges aus dem Burnout gegangen - und darauf kannst Du echt stolz sein.


Es hat wahrscheinlich echten Mut und Willen und einiges an innerem Arbeitsaufwand erfordert um dahin zu kommen, wo Du im Augenblick gerade stehst.


Nun stellt sich die Frage aller Burnout-Fragen:

Gibt es noch viele Baustellen auf Deinem Weg?

 

Umstände und Menschen, Anteile Deines Lebens, Deines Alltags, von denen Du plötzlich ahnst, dass auch sie Dich herunterziehen und Deinem Wohlbefinden entgegenwirken?

 

Groß wie Felsbrocken, liegen sie da, blockieren Deinen Weg aus dem Burnout und sind vielleicht auch schon so lange Teil Deines Lebens, dass Du Dich erschrocken hast, weil sie auf den ersten Blick viel zu schwer, ja, einfach übermächtig erscheinen als dass Du sie umformen, abtragen oder gar aus Deinem Weg rollen könntest?

 

Hast Du deswegen auch lieber erstmal versucht sie ganz schnell wieder zu vergessen?


In meinem Fall und auch bei den meisten anderen Menschen, mit denen ich bisher gearbeitet habe, hatten diese Brocken Namen wie: Meine Partnerschaft, meine Eltern, mein Arbeitsplatz, mein Wohnort.


Das ist hart! Und so kann ich den Wunsch nach dem Vergessen auch niemandem verübeln.

 

Erkennen zu müssen, dass der stetige Kontakt zu den Eltern vernichtend für das eigene Selbstwertgefühl ist, erkennen zu müssen, dass der Energiekreislauf in der eigenen Partnerschaft nicht geschlossen ist, erkennen zu müssen, dass diese Position, für die ich jahrelang alles gegeben habe um sie zu erreichen, mich auslaugt oder doch nicht so erfüllt, wie gehofft, oder zu erkennen, dass dieses wunderschöne Haus im Grünen, in dem mein Kind aufwachsen und ich alt werden sollte, in das ich all mein Geld und meine Energie investiert habe, sich nicht mehr mit meiner Lebenssituation vereinbaren lässt oder auch einfach nur zu erkennen, dass ein bisschen mehr Entspannung im Alltag nicht ausreicht um meinen ausgebrannten Akku wieder aufzuladen und voll im Saft zu stehen, ist ein wahrer Alptraum, denn:

 

Wenn Du Dir das eingestehen würdest, müsstest Du nach dieser neuen Erkenntnis handeln.

 

Aber wie? Was sollst Du tun, wenn Du ahnst, dass es in einem ganzen Lebensbereich so nicht mehr weiter gehen kann, aber auch keinen blassen Schimmer hast, was danach kommen soll?


Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Wir beide werden uns auf die Suche nach der Antwort darauf machen.

 

Denn was für das Leben gilt, gilt natürlich auch für Dein Burnout: In jedem Ende steckt ein neuer Anfang.


Und auch wenn sich einiges zum Guten verändert hat, so bist Du vielleicht immernoch müde, abgeschlagen, dauergenervt oder verzweifelt.

 

Wenn das so ist, dann ist das hier Dein Artikel. Denn Du bist nicht allein.


Was ich am häufigsten erlebt habe mit Burnout-Betroffenen, ist, dass die kleinen Tricks und Kniffe anfangs nicht ausreichen, um das innere Gleichgewicht, vor allem dauerhaft, wiederherzustellen.

 

Das Geheimnis der Lebensenergie

 

Ich habe das Burnout-Thema nie nur aus der medizinisch-psychologischen Sicht betrachtet, sondern immer auch aus der ayurvedischen.


Nicht dass beide sich entgegenstehen – im Gegenteil. Aber das Bild, welches diese jahrtausendealte Medizin benutzt um Burnout zu beschreiben, ist aus meiner Sicht einfach schöner, leichter verständlich, ganzheitlicher und besser zu fassen.


Im Ayurveda geht man davon aus, dass jedes Lebewesen, also auch Du und ich, Energie in sich selbst produziert, sie abgibt, z.B. wenn wir anderen unsere Liebe oder unseren Ärger entgegenbringen, sie aufnimmt, indem wir von anderen Liebe oder Ärger abbekommen und einen Teil davon für sich behält um wieder neue Energie zu produzieren.


Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Du zufrieden bist mit dem, was Du heute gemacht hast und Dich mit einem Eis belohnst. Das weißt Du schon aus den vielen anderen Artikeln hier im Blog.


Wenn Du liebst, fühlst Du Dich wohl. Und wenn Du Deine Liebe an andere abgibst, wirst Du glücklich damit sein.


Das ist so, weil uns schon in dem Moment, in dem wir sehen, wie das Herz eines geliebten Menschen aufblüht wenn er unsere Liebe empfängt, uns selbst ein zauberhaftes Glücksgefühl durchströmt, welches, einfach nur, weil wir unser geliebtes Gegenüber glücklich sehen, gleich wieder neue Energie in uns entstehen lässt. Und das sogar noch bevor der andere - in Liebe -  antwortet!


Zu lieben ist einfach das schönste Gefühl auf der Welt. Nicht umsonst gibt es den Spruch: Nur von Luft und Liebe leben.


Stolz auf sich selbst zu sein oder sich etwas Gutes zu tun, hat den gleichen Effekt für unser inneres Befinden: Du schenkst Dir Deine Liebe, Du fühlst Dich wohl und zufrieden und auch daraus ensteht neue Energie. Und wieviel Energie und Kraft wir erst noch daraus schöpfen, wenn wir spüren, dass wir von anderen aufrichtig geliebt und wertgeschätzt werden ... *wooow* mein Herz springt vor Freude, einfach nur, wenn ich darüber schreibe...


Von natur aus wollen wir ehrlich und aufrichtig lieben und geliebt werden und zwar so viel, wie möglich. Ich sage bewusst: Von Natur aus, da dies tatsächlich das wichtigste und einzige emotionale Grundbedürfnis ist, mit dem jeder Mensch geboren wird. Weil es das ist was, neben all den Optionen über die ich schon geschrieben habe, wie zum Beispiel essen, trinken, atmen und schlafen, unsere Lebensenergie erschafft und erhält.

Aber ich hab ja gerade gesagt, dass Liebe nicht die einzige Möglichkeit ist, die Energie, die wir in uns generieren, zu verbreiten.


Wenn Du anderen Deinen Ärger und Stress entgegenbringst, indem Du sie z.B. beschimpfst, gibst Du auch etwas von Deiner in Dir generierten Energie ab.


Zu sehen, wie jemand unsere Frust-Energie abbekommt, generiert in uns keine neue Energie. Wut, die rausgelassen wird, ist Energie, die verpufft. Das ist erstmal nicht so schlimm, denn Wut ist gestaute Energie, die, warum auch immer, in Dir entsteht und die irgendwo hin muss, nicht umsonst heißt es im Volksmund „Ich könnte platzen vor Wut.“ 


Wie gesagt, die eigene Energie in Form von Ärger weiterzugeben, hat bei weitem nicht den selben, nährenden und energieschaffenden Effekt für Dich, wie das Weitergeben von Liebe. Niemals wirst Du Dich nach einem Wutanfall so frisch gewaschen, warm und vollkommen im Herzen fühlen, wie wenn Du Deinem Kind über den Kopf gestreichelt hast bis es ruhig und friedlich eingschlafen ist.

 

Ärger über Dich selber schafft auch keine neue Lebensenergie. Es ist zwar Energie, die Du in Dir produziert hast, die Du aber jetzt dafür benutzt, Dir welche abzuziehen.


Das sieht dann so aus: Den Ärger zu produzieren, kostet Energie. Und diesen Ärger dann auch noch gegen Dich selbst zu richten, vernichtet weitere Deiner inneren Energieressourcen.


Wenn Du Ärger an anderen auslässt, hast Du Deine Energie zum Fenster rausgeschmissen, wenn Du Ärger an Dir auslässt, hast Du Dir gleich doppelt Energie abgezogen und nachhaltig dafür gesorgt, dass in den nächsten Stunden keine neue nachkommt. Und genauso simpel ist das dann am Ende auch mit dem Ärger und dem Stress, den andere an DIR auslassen.

 

Im besten Fall kannst Du Dich von sowas gut abgrenzen und gehst aus dieser Situation ohne größere Energieverluste heraus. Im schlechteren Fall zieht Dir der Wutanfall Deines Gegenübers sehr viel Energie ab. In beiden Fällen generiert sich in Dir keine neue Lebensenergie.

Lebensenergie ist eine neutrale Sache

 

Du trägst sie in Dir, wie ein Potential würde ich sagen.


Wohin sie geht und was aus ihr wird, entscheidest Du bewusst oder unbewusst und von Situation zu Situation. Du kannst sie für alles nutzen, Liebe oder Hass.


Aber nicht alles bringt Dir frische, neue Energie zurück und nicht alles unterstützt die neue Energiebildung in Dir selber.

 

In meinen Blogartikeln und meinem Podcast hast Du alles, was Du sonst zu den Grundlagen Deiner Lebensenergie wissen musst, erfahren. Du weißt, wie Du sie für Körper und Geist generieren und halten kannst, indem Du im Alltag achtsam mit Dir selbst umgehst.

 

Du fängst an zu begreifen, was es mit dem Burnout wirklich auf sich hat.


Und falls Du jetzt den Punkt erreicht hast, an dem Du einen riesen Berg von Problemen vor Dir siehst, den es erstmal abzutragen gilt damit es Dir dauerhaft gut gehen kann, dann ist dieses Begreifen der Grund und ein klares Zeichen dafür, dass Du Deinen Weg aus dem Burnout erfolgreich gehst.


Also, was kannst Du tun, um auch die ganz großen Brocken aus dem Weg zu räumen und Deine Lebensenergie zu regenerieren?

 

Aufgeben.

 

Das hört sich verrückt an? Du glaubst, ich habe Drogen genommen oder so?


Lass mich kurz schildern, was "Aufgeben" für mich als Burnout Coach bedeutet, denn es ist ganz und gar nicht das Gleiche wie resignieren!


Aufgeben ist etwas, was ich tue, wenn ich bemerke, dass irgendetwas nicht stimmig ist auf dem Weg, den ich gerade gehe. Immer.


Aufgeben bedeutet für mich anhalten und mich zu fragen: "Wo bin ich eigentlich gerade? Wo will ich hin? Ist dieser Weg wirklich der einzige? Oder gibt es vielleicht andere, schönere Wege, die mich auch zu meinem Ziel bringen?"


Denn um mir diesen Überblick zu verschaffen, muss ich manchmal einfach kurz innehalten! 


Und genau das empfehle ich auch meinen Kunden, wenn die bleierne Schwere sich nicht auflösen und keiner ihrer Felsbrocken auf ihrem Weg sich bewegen lässt. Spar Dir den Ärger und den Frust, der entsteht, wenn Du unermüdlich gegen Windmühlen kämpfst. Denk daran, dass die Lebensernergie einen Kreislauf bilden muss, damit sie zu Dir zurück kommt und nicht verpufft.

 

Eines ist uns beiden doch ganz klar, oder... ?


Einen Weg weiterzugehen, von dem mir immer bewusster wird, dass es der falsche für mich ist, bringt fatale Nachteile mit sich:


Wenn ich auf ihm schon sehr weit vorangegangen bin, ist es frustrierend festzustellen, dass ich zurück "auf Anfang" und einen anderen Weg einschlagen muss. Das nervt, und oft werde auch ich erstmal ein wenig zickig. Klar!


Andererseits: Wenn ich einsehen muss, dass ein Umkehren nötig oder unumgänglich ist, wäre ich auch schön blöd, würde ich einfach weiterlaufen, nur weil ich das nicht wahrhaben will oder keine Muße habe die ganze Strecke zurückzulatschen.

 

Denn wenn dieser Weg wirklich der falsche ist, und ich ihn weitergehe, werde ich früher oder später in einer Sackgasse enden und trotzdem zurück müssen. Und die Strecke, die ich dann gehen muss, verlängert sich mit jedem Schritt, den ich jetzt noch weiter in die falsche Richtung gehe, obwohl ich doch eigentlich schon weiß, dass das nicht die Richtige ist.


Solange ich laufe und nicht gewillt bin, anzuhalten, kann ich mir auch überhaupt keinen Überblick über all die anderen Pfade und Möglichkeiten verschaffen, die es sonst noch gibt. Und so ensteht ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins und der Ohnmacht gegenüber dem eigenen Leben.


So kann ich keine Kraft tanken, die ich doch aber so dringend für die Strecke zurück zu der Weggabelung bräuchte, an der der schönere Weg anfängt und natürlich auch für den schöneren Weg selbst, den ich danach laufen möchte.

Wenn Dich also plötzlich die Befürchtung beschleicht, dass Du größere Sachen in Deinem Leben ändern müsstest, damit es Dir besser geht, und Du weißt einfach nicht, wie oder wo Du ansetzen sollst ohne dass Dein Leben zusammenfällt wie ein Kartenhaus, wenn Du Angst hast, weil Du keinen blassen Schimmer hast, was die Alternativen sein sollen zu dem was Du im Moment lebst und so aber eigentlich nicht mehr weiterleben kannst oder willst, beruhige Dich. Dazu ist das Aufgeben da.


Es bedeutet nicht, alles hinzuschmeißen. Es bedeutet nicht, jetzt sofort das Ruder rumzureißen und sich in Schwierigkeiten und Konflikte zu stürzen.


Das hier ist Dein Leben. Es ist Deine Zeit und niemand außer Dir darf darüber bestimmen.


Aufzugeben bedeutet, Dir und Deiner Situation Raum zu geben.


Es bedeutet, dass Du erstmal nicht weiter in die für Dich falsche Richtung rennst wie ein Irrer. Es bedeutet Abstand zu bekommen und mal die Vogelperspektive einzunehmen.


Einmal anhalten, sich hinsetzen, durchatmen, ausruhen. Energie schöpfen. Abwarten. Lebensenergie tanken. Bis der Tunnelblick, der durch all den Stress entstanden ist, sich auflöst, damit Du überhaupt sehen und in Dir suchen kannst, welche Optionen Du hast.


Aufgeben ist im Leben sehr oft der erste Schritt, denn es bedeutet überhaupt erstmal anzuerkennen, dass Du verunsichert bist oder eine Veränderung nötig sein könnte.


Denn wenn Du innehältst, wirst Du auch erkennen, dass manches gut ist, wie es ist, anderes sich von allein auflösen wird oder geschickt umgelenkt werden kann.

 

Und das reicht fürs erste. Du sollst nichts überstürzen, im Gegenteil.

 

Aufgeben ist die Station, die sich genau zwischen dem befindet, wo Du gerade stehst und dem, was in Zukunft kommen könnte. Es ist der Punkt, von dem aus Du Dein Leben beobachten kannst, ohne direkt etwas entscheiden zu müssen.

 

Aufgeben und innehalten verschließt keine Türen und reißt auch nicht alle Brücken hinter Dir ab. Wenn du das dann immer noch möchtest, kannst Du danach auch einfach Deinen bisherigen Weg fortsetzen als wäre nichts gewesen.

 

Aufgeben. Innehalten. Und erst später beschließen einen anderen oder vielleicht doch genau diesen Weg weiterzugehen.


Ein Tipp, der sich immer dann im Leben auszahlt, wenn wirklich wichtige Entscheidungen oder große Veränderungen anstehen.

 

Wie sieht es mit dem Aufgeben in der Burnout-Praxis aus? Was tun, wenn der eigene Akku sich mit kleineren Veränderungen im Alltag nicht aufladen lässt? Wenn Müdigkeit, Gereiztheit und Chaos im Kopf sich nicht abschütteln lassen?

 

Naja, das kommt ganz auf Dich und Deine Situation an. Wie fühlt sich denn Dein Energiestatus im Moment an? Du und ich, wir sind ja hier unter 4 Augen. Du kannst also ganz ehrlich zu Dir sein, denn, was Du jetzt denkst, erfährt keiner.

 

Also, ganz ehrlich: was sagt dein Bauchgefühl, wie viel Zeit oder Abstand von Deinem Leben bräuchtest Du, unabhängig von dem, was vielleicht gerade möglich oder unmöglich ist, wie viel Zeit bräuchtest du WIRKLICH um überhaupt mal wieder morgens befreit und wirklich ausgeruht aufzustehen? Wie lange müsstest Du Dich ausruhen und ausschlafen damit die Schwere aus Deinen Gliedern verschwindet? Wie lange und wie weit weg müsstest Du von all den Dingen sein, die Dich im Moment belasten, damit die Wunden, die dadurch entstanden sind, heilen können und all die Unruhe sich in Gelassenheit und neue Zuversicht verwandelt?

 

Die Antwort, die Dir jetzt durch den Kopf geht, muss nicht die exakte Anzahl an Tagen, Monaten oder Jahren sein, die es am Ende tatsächlich dauert. Aber es ist ein Richtwert. Ein Richtwert, den Dir Deine Intuition gemeldet hat und der deshalb ernstzunehmen ist. Wenn Deine Antwort "10 Jahre" gelautet hat, brauchst Du auf jeden Fall eine länger Zeit. Wenn Deine Antwort "eine Woche" gelautet hat, eben eine etwas kürzere.

Burnout - Von der Leichtigkeit des Seins

Wie Du deinen inneren Stressknoten auflöst und Dich endlich aus dem Burnout befreist!

 

10 Kapitel  über die Gefühlswelt und deren Neuordnung im Burnout-Prozess. Plus: 4 neue Übungen, u.a.:

  • um Regeneration & Heilung zu förden
  • die eigene Energie zu erfahren & zu lenken
  • innere Stabilität zu schaffen & zu erhalten

Die nächste Frage, die sich daraus ergibt ist: Wie kannst Du an diese Auszeit rankommen?

 

Je nachdem, was Deine Antwort auf die ersten Fragen war, kannst Du Dir freinehmen – einen Brückentag zum Beispiel – und ein paar Tage etwas abgeschieden von der Welt an einem schönen Ort verbringen, an dem Du Dich wohlfühlst, Kraft schöpfen, Dich orientieren und mit Abstand auf die Dinge gucken kannst.

 

Falls Dir das gut tut, du aber nach ein paar Wochen merkst, dass nicht genug Lebensenergie in Dir selber nachproduziert wird, kannst Du das wiederholen. Mit jedem Mal Aufgeben und Vogelperspektive einnehmen wirst Du mehr erkennen und umsetzen, bis dieses "Mangel-an-Energie-Gefühl" entgültig der Vergangenheit angehört.

 

Wenn Deine Antwort "10 Jahre" oder auch "mehrere Monate" gelautet hat, könntest Du einen Besuch beim Hausarzt und eine längere Krankschreibung in Erwägung ziehen. Wichtig ist hier, einen guten Arzt zu finden, der bereit ist Dir zuzuhören. Und am aller wichtigsten ist es, dass Du ehrlich zu ihm bist, dass Du ihm sagst, wie Du Dich fühlst, was in Deinem Leben los ist und GANZ WICHTIG, was Du jetzt glaubst, was Dir guttut und was Du brauchst.


Ein guter Arzt, und das sind die meisten, erklärt Dir, wie lange er Dich krank schreiben kann und auch, was eine längere Krankschreibung für Dich oder Deinen Job und die Kostenübernahme der Krankenkasse bedeutet. Das ist deswegen so wichtig, weil ich es sehr oft sehe, dass Burnout-Betroffene zwar krankgeschrieben werden, aber immer nur "kleckerweise". Das bedeutet, sie werden erstmal 14 Tage krankgeschrieben, wissen aber nicht, ob sie danach wieder funktionieren müssen oder nochmal krankgeschrieben werden können.


Ich habe sehr viele Menschen erlebt, die bis zu 6 Monate krankgeschrieben waren und sich keinen einzigen Tag davon entspannen konnten, weil sie immer dachten, nach dem nächsten Termin müssten sie wieder ranklotzen. Wenn Du das machst – was ich uneingeschränkt empfehlen kann – such Dir also einen wirklich guten Arzt, sei ehrlich zu ihm, sorg dafür, dass er versteht, worum es Dir geht und stell ihm alle Fragen, die Dir einfallen.


Dein Arzt möchte, dass es Dir besser geht. Wenn es ein guter Arzt ist, wird er nicht denken, dass Du faul bist und schmarotzt, sondern er freut sich darüber, dass Du weißt, was Dir guttut und helfen könnte und dementsprechend natürlich auch darüber, dass er Dir da weiterhelfen kann. Solltest Du Dich unverstanden oder abgespeist fühlen, denk daran, dass Du die freie Arztwahl hast, und geh nochmal woanders hin. Wenn Du alles gedeichselt und Deinen Krankenschein in der Hand hast, mach Dich ans Aufgeben, an einem schönen Ort, an dem du für Dich sein und Dich wohlfühlen kannst.

 

Eine weitere Variante einer längeren Auszeit wäre ein Sabbat-Jahr oder ein Sabbat-Vierteljahr, je nachdem, was Dein Bauchgefühl sagt. In dieser Zeit wirst Du von Deinem Arbeitgeber freigestellt und kommst danach wieder zurück in die Firma.

 

In vielen großen Firmen gibt es das auf jeden Fall, ich habe inzwischen allerdings auch schon von Kindergärtnern gehört, dass der Arbeitgeber da hat mit sich reden lassen. Unterschätze Arbeitgeber und Ärzte nicht. Beide wissen sehr gut, dass es sie und Dich am Ende mehr kosten wird, wenn sie Dich weiter durch den Alltag prügeln, als wenn sie Dir jetzt die Zeit geben, die Du brauchst.

 

Sicher gibt es hier noch viele andere Optionen wie Überstunden abbummeln, Urlaub nehmen oder auch eine Kombination aus all diesen verschiedenen Möglichkeiten.


Egal, welche Du wählst, bleib bei Deinem Bauchgefühl und mach keine falschen Kompromisse. Wenn Du seit zwei Jahren das Gefühl hast, dass freie Wochenenden nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, wird Dir ein verlängertes Wochenende nicht ausreichen. Die Zeit, die Du brauchst um klarzukommen, ist immer abhängig von der Zeit, die Du im Hamsterrad also im Dauerstress verbracht hast. Zwei Jahre holst Du an einem langen Wochenende nicht wieder herein und zwei Wochen Dauerstress musst Du nicht zwei Jahre lang ausbaden.

 

Falls Du in den ersten Tagen oder Wochen Deiner Auszeit das Gefühl hast, antriebslos zu sein oder immer müder zu werden, mach Dir erstmal keine Sorgen: das kann passieren, wenn Körper und Geist begreifen, dass der Druck nachlässt, all die Erschöpfung der letzten Zeit so richtig rauskommt und sie sich jetzt ausruhen dürfen. Mach einfach, was Dein Körper Dir sagt und was Du brauchst und vertraue darauf, dass es nicht in der menschlichen Natur liegt, sich für immer faul zu fühlen und nie wieder vom Sofa aufzustehen. Der Tag, an dem Körper und Geist langsam wieder Energie haben und an dem Du zumindestens Lust auf einen Spaziergang bekommst, wird kommen. Das liegt, wie gesagt, in Deiner Natur.

 

Da es in unserer Gesellschaft so einige Menschen und Institutionen gibt, die Dir immer wieder suggerieren wollen, dass Aufgeben nur etwas für Schwächlinge und Versager ist, dachte ich mir: Es ist an der Zeit, Dich vom Gegenteil zu überzeugen.


Denn offensichtlich liegt hier eine Verwechslung vor: Aufgeben bedeutet vor allem eines: Auszuprobieren sich mit dem Gedanken des Loslassens vertraut zu machen. Und das ist wichtig. Denn wenn Du loslassen kannst, was Du nicht mehr brauchst, wenn du loslassen kannst, was Dich zurückhält, wenn Du loslassen kannst, was schwer wie 100 Ziegelsteine auf Deinen Schultern lastet, dann wirst Du endlich wieder durchatmen können und hast am Ende beide Hände frei um die großen Dinge zu greifen und zu formen, die Dich glücklicher, zufriedener und erfüllter machen.

 

Erst die Augen schließen, dann weitersehen.

 

Dir selbst zu erlauben aufzugeben, wird sich anfühlen wie sehr, sehr müde sein und sich endlich hinlegen zu können um sich mal so richtig auszuschlafen zu können.


Irgendwann wirst Du erholt aufwachen, Dir den Schlaf aus den Augen wischen und mit einem neuen, unverklärten Blick in die Welt und auf Dein Leben schauen können.


Achtung! Dies ist nicht der Moment um zu überlegen, wie alles weitergehen soll.


Dies ist Dein Moment um endlich kurz aufhören zu können mit dem, was die ganze Zeit Deine Lebensenergie, Deine Intuition und Deine Kreativität frisst. Alles andere kommt danach.

 

Burnout ist keine Grippe, die sich in 1-2 Wochen von selbst erledigt. Es ist aber auch keine Erkrankung, die unheilbar ist und Dich bis zum Ende Deines Lebens verfolgen wird. 


Ich sag es nochmal: Das hier ist Dein Leben. Die Tatsache, dass Du diesen Blog liest, sagt mir, dass Du das schon lange verstanden hast, und dass Du mutig genug bist es selbst in die Hand zu nehmen. Das verdient höchsten Respekt und Du kannst wirklich stolz auf Dich sein. Alles, was Du suchst, schlummert schon in Dir und mit dieser Einstellung wirst Du es auch finden können.


Mein Blog soll Dir, so wie jeder Arzt und jeder Therapeut, ein Wegbegleiter sein und Dich darin unterstützen und ermutigen vorwärts zu gehen und Dich auszuprobieren. 


Denn was das Beste für Dich ist, was Du wirklich brauchst und was Du mit Deinem Leben machen möchtest, kann keiner besser wissen außer Dir selbst.


Weder ich, noch Dein Arzt, noch Dein Therapeut stecken da drin.

 

Ein Burnout ist meist der Beginn einer langen Reise, deren Route Du allein festlegst. Du wirst echt erstaunt und soooo verblüfft und glücklich sein mit dem, was in Dir steckt.

 

Ich danke Dir für das Lesen meines Blogs und dafür, dass Du mit Deinem unbändigen Willen nicht nur Dich selbst weiterbringst und entfaltest, sondern durch Deinen Mut zur Veränderung auch andere dazu inspirierst.


Füttere Deine Lebensenergie mit Liebe und Zeit, torpedier sie nicht mit Druck und Wut auf Dich selber.

 

Deine Suzy. :-)

 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus meinem Podcast "Burnout - Von der Leichtigkeit des Seins" .

Staffel 1 Folge 10  - Aufgeben.


 

Ich bin Suzy - Ayurveda Therapeutin und Burnout Coach bei Burnout Coaching Berlin.

 

In meinem Mini - Blog und in meinem Podcast "Burnout - Von der Leichtigkeit des Seins" erfährst Du alles darüber, wie Du deinen individuellen Weg aus dem Burnout findest.



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Burnout - Von der Leichtigkeit des Seins

Wie Du deinen inneren Stressknoten auflöst und Dich endlich aus dem Burnout befreist!

 

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  • um Regeneration & Heilung zu förden
  • die eigene Energie zu erfahren & zu lenken
  • innere Stabilität zu schaffen & zu erhalten