6 dreiste Tipps, wie Du besser durch den (stressigen) Arbeitsalltag kommst

 

Falls es Dir auch so geht wie den meisten Burnout-Betroffenen und Du Dich regelmäßig fragst, ob Du verrückt bist oder die Anderen, habe ich heute hierfür eine Antwort für Dich parat. Aber von vorn:

 

 

Es gibt 2 Quellen für Stress

 

  • die erste liegt im Außen: der Chef, der ein sich stetig steigerndes Schneller-Höher-Weiter von Dir fordert, die Familie, viel zu hohe Rechnungen auf dem Poststapel und vieles mehr

  • die zweite kommt von innen: die Erwartung an Dich selbst, die Erwartungen von denen Du glaubst, dass Andere sie an Dich haben, die Angst nicht genug leisten zu können...

 

Vielleicht fällt Dir auf, dass beide Stressquellen hervorragend ineinander greifen und sich ergänzen:

 

Wenn Du einen Chef hast, der immer Höchstleistungen erwartet, und gleichzeitig jemand bist, der von sich selber erwartet die Ansprüche des Arbeitgebers zu mindestens 100% zu erfüllen, ja, wenn möglich jedoch sogar zu übertreffen, dann haben wir hier das perfekte Paar gefunden: einen, der immer mehr nehmen will als ihm vielleicht zusteht und einen, der immer bereit ist mehr zu geben als er hat.

 

 

Dein Arbeitgeber zählt auf Dich

 

Wo wir gerade beim Thema Berufsleben sind, liegt mir eine Sache besonders am Herzen:

 

Bitte sei Dir bewusst darüber, dass die heutige Arbeitswelt nicht, aber so überhaupt gar nicht Dein Wohlbefinden im Sinn hat, sondern etwas, das man „Gewinnmaximierung“ nennt. Ein Unternehmen, welches nicht jedes Jahr mehr Umsatz generiert als im Vorjahr, ist wirtschaftlich gesehen nicht erfolgreich. Dies gilt inzwischen auch für viele Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich – gerade Pflegekräfte können ein Lied davon singen.

 

Je weniger Dir gezahlt wird, je mehr kostenlose Überstunden Du machst, je schneller Du arbeitest mit möglichst wenig Pausen, je weiter Du über 100% Leistung hinaus gehst, je öfter Du, auch wenn du krank bist, auf Arbeit kommst, umso Höher der Gewinn für die Firma. Je besser Dein Arbeitgeber es schafft, Deine Leistungen zu maximieren, umso mehr kann er auch seine Gewinne maximieren. Das ist eine ganz einfache Rechnung: Wenn Du (und auch Deine Kollegen) für zwei arbeitest, spart das dem Arbeitgeber JEDEN Monat pro Person ein Monatsgehalt. 12 Monate im Jahr.

 

Wenn Du also so einen „Schneller-Höher-Weiter- Chef“ hast, sei ganz beruhigt:

 

der Typ ist total verrückt, nicht Du. Ganz klar.

 

Wenn Du Kollegen hast, die immer nach diesem Maßstab rackern wie blöd, sei beruhigt, auch hier bist ganz eindeutig nicht Du der Verrückte.

 

Wenn Du so einen Chef und solche Kollegen hast und ihre Erwartungen jeden Tag noch übertreffen willst,

... dann solltet Ihr alle Eure Einstellung vielleicht nochmal überdenken.

 

 

Wie Stress funktioniert

 

Unser Körper wurde vor einigen hunderttausend Jahren, ich nenn es mal entwickelt, für ein Leben mit Lendenschutz und Beerenpflücken. Er ist ausgestattet mit einem „Stressprogramm“ was ähnlich funktioniert wie ein Antivirusprogramm auf einem modernen PC – wenn eine Bedrohung kommt, z.B. weil ein Tiger aus dem Gebüsch hopst, wird es automatisch gestartet und setzt verschiedene Reaktionen in Körper und Geist in Gang:

 

  • u.a. verändert sich unsere Körperhaltung, wir wollen uns schützen also spannen wir reflexartig die Nackenmuskeln an und machen unseren Rücken rund, damit der Brustbereich, wo sich Herz und Lunge befinden, gut geschützt ist

  • unser Kinn geht ein wenig nach vorne, damit wir die Gefahr besser beäugen können

  • alle Muskeln im Körper sind in Alarmbereitschaft falls wir rennen müssen (immerhin: Tiger sind ja auch sehr schnell!) und daher wird so viel Energie wie möglich aus dem Gehirn abgezogen und in die Muskeln gesteckt. Unsere Körpersprache verrät jetzt: ich fühle mich bedroht, habe Angst und bin kampfbereit

 

Das Ganze hat zusätzlich den praktischen Nebeneffekt, dass unser Geist in eine Art Tunnelblick verfällt.

Logisch, er hat nur ein Ziel im Moment – heil da raus kommen und alles was nichts mit dieser Situation zu tun hat & Konzentration erfordert, ist in diesem Moment völlig egal.

 

Hast Du Dich schon mal gefragt, warum es so schwer ist sich zu konzentrieren und klar zu denken, wenn Du gestresst bist? Und wusstest Du, dass wir die Körpersprache unseres Gegenübers innerhalb von wenigen Sekunden unbewusst erfassen?

 

 

6 dreiste Tipps, wie Du besser durch den (stressigen) Arbeitsalltag kommst

 

1. Du hast nur 100%. Wie viel Du bereit bist davon zu geben ist allein Deine Sache. Du bist der Entscheider. Wenn Dein Arbeitgeber sich Personal wünscht, das täglich 300% gibt, ist er erstens in Mathe eine Niete und zweitens ist das dann sein Problem, nicht Deins. Wünsche darf ja jeder haben, ob sie sich erfüllen weiß allein der liebe Gott. Darüber brauchst Du Dir Deinen Kopf nicht zu zerbrechen.

 

Spar dir Die Energie Dich über die Erwartungen Anderer zu sorgen.

 

2. Wenn Du Deinen Tag oder Deine Woche planst, plane was Du mit 80% Deiner Energie schaffen wirst wenn es gut läuft, niemals mit 100%.

 

Wenn Du jeden Tag 100% gibst, wird Dein Akku jeden Abend zu 100% leer sein.

Körper & Geist können ihren Akku in einer Nacht nicht zu 100% wieder aufladen, abgesehen davon hält das Leben manchmal sehr unangenehme Überraschungen bereit. Wenn unerwartet jemand verstirbt, irgendein Idiot Dein Auto zu Schrott gefahren hat oder Dir Dein Vermieter aus Eigenbedarf plötzlich die Wohnung kündigt brauchst Du Reserven, um auch durch schwierige Phasen zu kommen ohne dass der Akku den Geist aufgibt und Du ins Straucheln gerätst.

 

3. An Tagen, an denen Du Dich fit und kraftvoll fühlst, gib also „nur“ 80% deiner Energie in Deine Tätigkeiten. 80% sind gut, und Deine Aufgaben kontinuierlich gut zu erledigen ist völlig ausreichend. Dieses Pensum wirst Du dauerhaft besser halten können, und mal ehrlich: Ist es nicht besser, wenn Du im Schnitt 80% lieferst, als 100% an den ersten beiden Wochentagen und dann für den Rest der Woche nur noch 40% weil Du keine Kraft mehr hast?

 

4. Achtung, hier kommt der Trick wie Du Dich unauffällig aus der Stress-Spirale ziehst, ohne dass die Anderen skeptisch oder neidisch werden: Gib 80%, lass aber alle wissen, dass Du 100% gegeben hast und WIE stressig das war.

 

5. Wenn der Wecker klingelt und Du feststellst, dass Du heute schon morgens völlig neben der Spur bist, gönn Dir einen Tag mit 60%. Das ist immer noch mehr als die Hälfte und mehr als die Hälfte gilt als bestanden ;-)

An 60% -Tagen ist es im Übrigen auch völlig legitim das ein – oder andere aufzuschieben, Verabredungen abzusagen und sich stattdessen etwas Gutes zu tun. Körper & Geist werden es Dir danken, und Du hast morgen auch wieder deine volle Kraft zur Verfügung.

 

6. Erinnere Dich daran, dass Du mit Deinem Stressempfinden nicht allein bist. Du hast recht, mit Deinem Gefühl, dass hier grad alles zu viel ist und es gibt wirklich sehr viele Menschen, denen es genauso geht wie Dir.

 

 

Das kommt Dir alles bisschen dreist vor? Ist es denn dreister als das, was ich gerade über Gewinnmaximierung geschrieben habe?

 

 

Fazit

 

Du darfst Deine Energie gesund verwalten und musst niemandem Rechenschaft deswegen ablegen. Leiste Dir ein Tröpfchen Dreistigkeit in der Alltagssuppe!

 

Die meisten, im Leben sehr erfolgreichen Menschen, wenden genau diesen Trick an und sind genau deswegen erfolgreicher als alle anderen um sie herum.

 

Bevor ich jetzt zum Ende dieses Artikels komme, habe ich noch zwei Fragen an Dich:

 

Erste Frage:

 

Wie viel Geld ist es Dir wert, morgens ausgeruht, in Deiner inneren Mitte, vor Lebensfreude und Tatendrang sprühend aufzuwachen?

 

Zweite Frage:

 

Wie viel zahlt Dir Dein Arbeitgeber?

 

Denk daran: für Dein Gehalt stellst Du Deinem Arbeitgeber einen gewissen Teil Deiner Arbeitskraft zur Verfügung. Nicht Dein Leben.

 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus: Staffel 1 Folge 2 "Ständig Stress ... und IMMER Arbeit!"

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