Arbeit, Familie, Leben – Teil 1: Arbeit

Dieser Artikel ist der erste Teil der Trilogie "Arbeit, Familie, Leben – Arbeit".  Eine Geschichte von der Suche nach der Erfüllung und dem Sinn unseres Lebens.

 

Heute erfährst Du von mir, wann Arbeit uns nicht nur Geld bringt, sondern uns auch zufrieden macht und uns in unserer Entwicklung fördert. Wir machen einen kleinen Ausflug in die Geschichte und Du wirst Arbeit – und was sie für unser Leben bedeutet – aus einem ganz neuen Blickwinkel kennenlernen. Am Ende bekommst Du von mir auch schon drei Fragen an die Hand, mir denen Du schon etwas prüfen kannst, wie sinnstiftend und erfüllend Deine Arbeit im Sinn des Lebens wirklich ist!

 

Im Folgenden liest Du eine E-Mail, die ich von einer Podcast-Hörerin erhielt und die mich zu diesem Thema inspirierte :

 

"Liebe Suzy, ich möchte dir einmal ganz herzlich für deine Blogs und Podcasts bedanken. Bei der Suche nach Hilfe aus meinem Burnout heraus bin ich auf dich gestoßen. Seither gönne ich mir jeden Morgen einen deiner Podcasts und schöpfe daraus Ideen und oft auch Kraft. Ich habe bei der Staffel 1, Folge 1 begonnen, nachdem ich irgendwo hineingehört hatte und fand, dass ich das von Anfang an mitverfolgen muss.

Heute bin ich in der Staffel 2, bei der Trauerarbeit angekommen und begreife plötzlich so vieles!

 

Dass es sich nicht nur um ein berufliches Problem handelt war mir bewusst. Nun sehe ich aber, dass ich eigentlich um eine ganze Lebensphase trauere.

Damit erklärt sich die immer wiederkehrende tiefe Müdigkeit obwohl ich schon seit 4 Monaten krankgeschrieben zuhause herumhänge und trotz Medikament und Psychotherapie nur kleine bis kleinste Fortschritte sehe.

 

Ich traure darum, dass ich in der Firma nach 20 Jahren Engagement gezwungen wurde meine Geschäftsleitungsverantwortung abzugeben und bereits 1 1/2 Jahre vor meiner effektiven Pensionierung meinen Nachfolger einarbeiten und meine geliebte Arbeiten abgeben musste.

 

Gleichzeitig traure ich darum, dass nun auch meine jüngste Tochter seit über zwei Jahren ausgezogen ist und ich hier in meinem wunderschönen Haus alleine zurück bleibe. Meine Kinder leben noch und dennoch bin ich jedes Mal wenn sie wieder gehen, wenn eine SMS-Kontakt abgeschlossen ist, wenn ich an sie denke einfach nur traurig und sehe keine Entwicklungsmöglichkeit. Du sagst "die Liebe neu sortieren". Das ist einen Versuch wert und auch das der Trauer Raum geben macht Sinn. Aber es macht auch Angst, Angst nicht mehr herauszufinden aus dem Jammern und Klagen. Selbstverständlich klage ich nicht laut, niemand hätte Verständnis dafür, dass ich "so ein Theater" mache, nur weil die Kids ausgezogen sind. Das passiert doch allen Eltern irgendwann und die überleben es auch alle.

 

Wie überleben sie es? Weißt du dazu näheres? Gibt es irgendwann auch dazu einen Podcast? Hast du dazu Erfahrungen?

 

Ich finde im Internet höchstens Artikel bezüglich "empty-nest-syndrom", die empfehlen, sich ein Hobby zu suchen und sich abzulenken. Aber das kann kaum die Lösung sein, oder?

 

Ganz herzliche, dankbare Grüße aus München! Ich werde dich wärmstens empfehlen.

 

Sandra."

 

Liebe Sandra! Deine Nachricht ist jetzt schon eine Weile her. Und ich hoffe, Du kannst mir verzeihen, dass es so lange gedauert hat! Dein Text hat mich sehr berührt, und die Fragen gehen ganz schön an die Substanz. Tausend Dank für Deine Inspiration. Ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt!

 

Seit 1,5 Jahren überlege ich nun schon, wie ich diese Thematik angehen kann. Unzählige Stunden habe ich auf meinem Sofa gesessen, auf den von flauschigen Wölkchen besprenkelten Himmel und die zartgrünen Baumwipfel vor meinem Fenster geschaut und versucht mit Worten eine der wenigen Fragen greifbar zu machen, welche jeden von uns mehr oder weniger, bewusst oder unbewusst immer wieder um- und antreibt:

 

"Wozu bin ich hier und was ist es, was meinem Dasein aktuell Substanz und Bedeutung verleiht und wenn ich am Ende meiner Zeit darauf zurückschaue?"

 

Manchmal habe ich mich gefragt, ob all das, was mich jeden Tag umgibt und beschäftigt mich überhaupt ausfüllt. Ob da noch Luft nach oben ist. Ob ich mich mehr fordern, mehr aus meinem Leben machen müsste?

 

Der Himmel vor meinem Fenster wurde strahlend blau, die Tage länger, die Baumwipfel saftig, kräftig, grün. Wer sich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, dachte ich irgendwann, der muss sich vielleicht erst einmal fragen, ob es diesen einen Sinn überhaupt gibt. Vielleicht sind es ja auch mehrere, die am Ende ein ganzes ergeben, oder gar keiner. "Das wäre übel.", dachte ich, "Denn dann hätte mein Leben keine Orientierung. Ich meine, mir würde die Ausrichtung fehlen. Nichts von dem, was ich tue oder schaffe, könnte sich von den täglichen, immer wiederkehrenden Bagatellen des Alltagstrotts abheben. Ich will wissen, wofür ich all das tue, was ich tue und für wen." Und als ich wieder aus dem Fenster sah, strahlten die Bäume in gold und rot, und graue, tief hängende Wolken wälzten sich den Himmel entlang.

 

"Ich möchte etwas, das bleibt.", dachte ich. "Und wenn es nur so eine Art sehr lange, sehr nachhaltige Erinnerung an viele und schöne Jahre ist." Draußen begann es kalt zu werden. Schnee hatte sich auf jedes einzelne der kleinen Stöckchen im Geäst der kahlen Baumkronen gelegt. "Ich möchte aber auch einen Lebensweg, den ich genießen kann. Schließlich weiß man ja auch nie, wie lange dieser eigentlich ist – alles kann ja so schnell vorbei sein.", dachte ich, stand auf, knipste das Licht an, kochte mir einen Kakao und setzte mich an den Laptop um zu arbeiten.

 

Inzwischen war Deine Email eingetroffen, Sandra. Draußen war es jetzt schon zu dunkel geworden, um weiter die Baumwipfel zu beobachten. Und wer hat heutzutage schon Zeit, sich ewig über den Sinn seines Lebens Gedanken zu machen?

 

Zunächst einmal, möchte ich Dich jedoch mit etwas vertraut machen, was Dein ganzes Leben bestimmt: "Selbst - Wirksamkeit"!

 

Ich knüpfe damit ein bisschen an meinen Artikel "Die ewige Suche: Therapie bei Burnout - DAS ist der beste Ansatz!" an , in dem Du schon von Rogers, dem alten Haudegen, gelesen und erfahren hast, wie sehr es uns prägt, wie leicht oder schwer wir es als Kinder hatten herauszufinden, was uns liegt, worin wir gut oder gar begabt sind und welche berufliche Tätigkeit uns ein Leben lang erfüllen könnte.

 

Ich habe damals ein bisschen erklärt, wie wir als Kinder lernen und erfahren, ob wir gut genug sind, was wir uns zutrauen können, und woher starke Selbstzweifel und Ängste, nicht gut genug zu sein und unendlich Leistung bringen zu müssen im Erwachsenenalter, kommen.

 

Heute möchte ich über Selbstwirksamkeit schreiben. Achtung! Selbstwirksamkeit im psychologischen Sinne ist schlicht und ergreifend die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.

 

Aber das meine ich nicht. Ich meine damit die Erfahrung, dass das, was wir tun einen Effekt bringt. Dass wir Einfluss haben auf die Dinge um uns herum. Dass wir WIRKSAM sein können. Ich möchte behaupten, dass eine der ersten und eindrucksvollsten Erfahrungen des "Selbst-Wirksam-Seins" in diesem Sinne war, als wir im Kinderstuhl saßen, Du weißt schon, so ein Hochstuhl mit Tischchen, und unsere Mutter vor uns ein Glas oder einen Teller abgestellt hatte und dann nochmal schnell in die Küche zurück musste. Wir haben danach gegriffen. Uns den Teller angeguckt. Ihn angehoben, nach unten gesehen, ihn über den Rand des Tischchens gehalten und fallen gelassen!

Boah ey!! Was für ein Effekt! Wahnsinn!!! Es knallt, der Teller zerspringt in tausend Stücke – faszinierend – und all das, haben wir ganz allein geschafft! Yeay!!! Wir und das, was wir tun, sind ganz alleine, selbstwirksam. Wir können die Welt verändern und erschaffen, und es wird nichts in diesem Leben geben, was uns mehr beschäftigen und Freude bringen wird als diese Tatsache.

 

Deshalb werden wir unermüdlich auf der Suche sein nach Möglichkeiten, unser Handeln zu erfahren, immer wieder herauszufinden, ob wir vielleicht noch mehr und noch wirksamer sein können. Im späteren Leben zum Beispiel, in dem wir immer wieder versuchen, die Ergebnisse unserer Arbeit und unseren Erfolg zu steigern. Selbstwirksamkeit ist Beste, wie die coolen Kids sagen würden!

 

Aber da ist noch etwas oder besser gesagt noch jemand, von dem ich Dir berichten muss, bevor wir uns der Geschichte zuwenden können:

 

Der gute, alte Erich Fromm.

 

So, wie Rogers sich damit beschäftigt hat, woher unsere Neigungen und Talente denn eigentlich kommen, wie wir sie erkennen können und das Selbstvertrauen entwickeln, unseren Wunschberuf danach zu wählen und uns damit wohlzufühlen, hat der gute, alte Erich sich gefragt, was wir denn alles brauchen in unserer Arbeit, an unserem Arbeitsplatz, damit wir uns nicht nur wohlfühlen mit dem, was wir tun, sondern damit wir darin auch Erfüllung finden!

 

Am Ende vielleicht sogar den Sinn unseres Lebens? 

 

Naja. Mal schauen...

 

Seine These war auf jeden Fall, dass wir nur dann zufrieden und glücklich sind, wenn wir sehen, dass unsere Arbeit einen Effekt hat. Und zwar den, den wir uns gewünscht haben. Wenn wir Tischler sind zum Beispiel. Denn dann haben wir uns erst einmal kreativ in uns selbst betätigt, indem wir den Tisch für unseren Kunden entworfen haben. Wir haben Tage und Wochen daran gesägt, gefeilt, geschraubt, lackiert usw.

 

Vielleicht war das anstrengend, vielleicht hatten wir ein bisschen Zeitdruck, aber letztlich sind wir jeden Tag zufrieden aus der Werkstatt gegangen. Denn wir haben gesehen, dass wir im Vergleich zum Vortag schon viel weiter gekommen sind. Wir erschaffen diesen Tisch von der Idee, wie er aussehen könnte, bis zu dem Moment, wo der Kunde ihn abholt. Und wir mit ihm zusammen nochmal zufrieden unser vollendetes Werk beschauen, bevor er ihn mitnimmt und bei sich zu Hause aufstellt. Wir haben gemacht, was uns Freude bereitet und worin wir schon immer etwas geschickter waren als die anderen, wir haben ein Projekt zufriedenstellend abgeschlossen, Anerkennung bekommen und auch noch Geld damit verdient! Was für ein tolles Gefühl!!!

 

Und weil wir schon soooo lange tischlern, und unsere Arbeitsgeräte und das Holz schon so lange kennen und bearbeitet haben, ist uns sogar noch das ein oder andere aufgefallen, was wir verbessern und optimieren können, damit wir in Zukunft ein bisschen schneller oder präziser arbeiten können. Wir haben es einfach mal ausprobiert während dieses Projekts und es hat bestens funktioniert.

 

Jackpot!!! Ich habe also aus mir heraus etwas erschaffen, optimiert und meinen Lebensunterhalt verdient. Wirksamer kann ich selbst nicht sein!

 

Und genau das ist eine der Kernthesen von Fromm. Wir sind nur dann glücklich und erfüllt in unserem Leben, wenn wir etwas aus uns selbst heraus erschaffen dürfen, wenn wir ein vollendetes Ergebnis sehen können, nachdem wir den ganzen Arbeitsprozess auf dem Weg zu diesem Ergebnis erlebt und nach unseren Vorstellungen optimiert haben. Am Ende können wir dastehen und sagen: DAS bin ich! Ein hervorragender Tischler. Wir wollen etwas Sinnvolles tun. Und wir müssen sehen, wofür wir es tun, wohin unsere Energie am Ende geht, damit wir glücklich sind. Aaaach Erich, ich mag Dich und Deine These so sehr...

 

Ein kleiner Ausflug in unsere Geschichte

 

Aber genug der Schwärmerei! Kommen wir jetzt zu unserem kleinen Ausflug in die Geschichte. Denn wir wurden ja nicht nur von diesem verrückten Tiger aus meinem Blogartikel "6 dreiste Tipps, wie Du besser durch den (stressigen) Arbeitsalltag kommst" verfolgt über Jahrtausende, haben in Höhlen gehaust und bisschen Getreide kultiviert, bis wir *plop* auf einmal am Fließband wieder aufgewacht sind und gar nicht wussten, wie uns geschieht!

 

Nein, nein!

 

Der Weg zu unserem Platz am endlos langen Fließband oder im Büro war lang! Und den größten Teil dieses Weges haben wir gearbeitet, um einfach nur zu überleben.

 

Wir haben nicht großartig vorausgedacht und Überstunden gemacht, um Geld zu sparen und so schneller eine neue Handtasche oder ein schickes Auto kaufen zu können.

Wir haben tatsächlich nur für unseren Bedarf gearbeitet und Selbstwirksamkeit erfahren, ohne dass wir es so benannt haben, und dann gechillt. Dass jeder sein Bestes zum Erhalt und fortkommen der Gruppe beitrug, war selbstverständlich. Davon hing unser Überleben ab. Und so stellte sich auch die Frage nach individuellen Talenten erst einmal nicht. Wenn jemand sehr kräftig und schwer ist, schickt man ihn nicht auf die Jagd – anderswo ist er besser für die Gemeinschaft zu gebrauchen. Zack – Thema erledigt!

 

Auch wenn man damals noch nicht so ausschweifend wie heute über Talente nachgedacht hat, so hat sich die also Gruppe schon auch nach ihren Stärken organisiert. Talent und Aufgabe in der Gruppe waren quasi automatisch verbunden, denn auch zu dieser Zeit zeichnete sich schon früh im Kindesalter ab, was wessen Ding war und wo er sich nützlich machen konnte – oder eben auch nicht.

 

Und natürlich haben wir auch hier schon angefangen, uns selbst zu beobachten und unser Können auszureizen! Den Anbau von Getreide zu optimieren, zum Beispiel. Das Rad zu erfinden, um schneller zu sein. Wir Menschen langweilen uns schnell und wir sind ungeduldig – das war auch vor einigen tausend Jahren nicht anders. Wir strebten nach Entwicklung, Herausforderung und Förderung – schon immer!

 

Nicht nur in diesem Leben, sondern die ganze Menschheitsgeschichte lang!

 

So richtig spannend, wenn es um Arbeit und Selbstwirksamkeit geht, wurde es dann im Mittelalter!

 

Anfangs sorgten noch bis zu 100 Feiertage im mittelalterlichen Jahr dafür, dass die Arbeit nicht in den Vordergrund geriet. Denn wozu auch mehr arbeiten? Habgier und Streben nach Gewinn oder das Anhäufen von Reichtum galten als Laster und als Ausdruck von sündhaftem Leben.

 

Im späteren Mittelalter aber, hatten sich viele Berufe herausgebildet. Das kommt davon, wenn immer alle von Natur aus ihr Potential ausschöpfen und sich dabei noch etwas challengen wollen. Man spezialisierte sich aufs Nähen, Töpfern, Tischlern usw., also auf einen Beruf oder eine Berufung, der man ein Leben lang nachging. In der man ein Zeit seines Lebens Selbstwirksamkeit erfahren und sich immer wieder fördern und fordern konnte, um die selbstgemachten, fertigen Projekte zufrieden zu begutachten und neue Erkenntnisse aus der eigenen Arbeit umzusetzen und über Generationen weiterzugeben an den hoffentlich ebenso talentierten, interessierten und zahlreich vorhandenen Nachwuchs. Jepp, mit DIESEM Tisch habe ich mich mal wieder selbst übertroffen!

 

Arbeit war jetzt eine Tugend, denn man tat sie für Gott sozusagen. Zu viel "abchillen" war zur Sünde erklärt worden. Viele Systeme, u.a. der Sozialismus haben in die gleiche Kerbe gehauen. Hier findet sich ein Gedanke, der sich bis heute hält: Wer nicht arbeitet, ist kein guter Mensch und verdient es, dass man ein wenig auf ihn herabschaut. Interessant, oder?

 

Jedenfalls stand man im Mittelalter morgens mit der Sonne auf, begann seine Arbeit, frühstückte zwischendurch mit dem Rest der Familie und Knechten usw., denn die Arbeit war ja meist auf dem Hof, auf dem man lebte, und nicht in der nächsten Stadt. Und so fühlte man sich an seinem Arbeitsplatz auch zuhause. Wenn Du aus dem Scheunentor blicktest, sahst Du Deine Kinder beim Toben, Deine Frau beim Wäsche aufhängen, Deinen Bruder beim Pflügen. Oder meinetwegen die anderen Mönchsbrüder bei der Arbeit im Klostergarten.

 

Anyway. Alles, was Du den ganzen Tag sahst, während Du auf Arbeit warst, war tatsächlich DEIN Leben!

 

Also, man ging nach dem Frühstück dann wieder seiner Arbeit nach, aß ein paar Stunden später zu Mittag, hielt ein Schläfchen, ging wieder seiner Arbeit nach bis zum Sonnenuntergang.

 

Hobbies kannte man zu dieser Zeit nicht. Vielleicht hatte man auch gar nicht so viel Zeit dafür. Vielleicht brauchte man sie aber auch noch nicht so dringend, als eine Form des Ausgleichs oder der Selbstverwirklichung, wie heute.

 

Arbeit und Leben waren sehr viel enger verknüpft und nicht im Ansatz so voneinander abgespalten wie in der heutigen Zeit, in der viele Pendler ihre Kinder und Lebenspartner höchstens am Wochenende zu Gesicht bekommen, obwohl sie vielleicht sogar etwas weniger Stunden arbeiten, als es die Menschen damals getan haben. Nochmal: Alles, was Du den ganzen Tag über sahst – selbst während der Arbeit - war Dein Leben. Und selbst, wenn Du irgendwann nicht mehr so konntest, wie die Jungspunde, hattest Du immer noch hier Deinen Platz, als helfende Hand, als Erfahrungsgeber. Es war immer noch DEIN Leben.

 

Im Übrigen gab es natürlich keine Urlaubstage wie wir sie heute kennen. Aber das Jahr war damals von sehr viel mehr Feiertagen durchzogen als heutzutage. Und so kam man, neben den Sonntagen, dennoch im Schnitt auf 20 arbeitsfreie Tage im Jahr.

 

Unser kleiner Ausflug in die Geschichte, durch Jahrtausende der mehr oder weniger bewusst erfahrenen Selbstwirksamkeit, gehen an dieser Stelle langsam zu Ende! Denn nun kommen die Industrialisierung, Henry Ford und Taylor, der Vater des Taylorismus. Taylorismus bedeutet nichts weiter, als die Optimierung der menschlichen Arbeitskraft in der Fabrik. Das Hauptproblem war, dass die Produktion einfach nicht effektiv und sehr ineffizient war. Die Arbeiter verbrachten viel Zeit damit, in aller Ruhe beispielsweise Werkzeuge zu suchen oder diese zu schleifen, was ja bisher ein ganz normaler Teil der Tätigkeit eines jeden Arbeiters war. Werkzeuge suchen und schleifen mag aufhalten, es hat die Arbeit aber auch entschleunigt und so Raum gelassen für das Wandern unserer Gedanken. Zum Beobachten unserer Selbstwirksamkeit. Zum Hineinspüren in unsere Kreativität. Zum Entwickeln neuer Ideen und deren spannender Umsetzung!

 

So entstanden aus Sicht der Fabrikbesitzer und Vorarbeiter sehr viele unproduktive Zeiten, in denen die Produktion nicht weiterging! Und dann kam eben Frederick Winslow Taylor, der viele Beobachtungen und Studien machte, und dann diese Abläufe optimierte, damit der Arbeiter sich auf die eigentliche Produktion konzentrieren konnte.

 

Von keinem geringeren als Henry Ford wurde neben dem Taylorismus auch der Begriff des Fordimus geprägt. Die einfache, aber dennoch geniale Idee war es, den gesamten Prozess in Abschnitte aufzuteilen und jeden Mitarbeiter auf einen Teilbereich zu spezialisieren. So mussten diese auch nicht mehr so umfassend ausgebildet werden und waren besser und schneller zu ersetzen und auszutauschen. Man wollte keine Selbstwirksamkeit, man wollte eine menschliche Arbeitskraft erschaffen, die ohne sich zu beschweren, eingesetzt und ersetzt werden konnte, wie eine Maschine.

 

Es gab extrem detaillierte und zerlegte Arbeitsaufgaben mit entsprechenden Zielvorgaben. Widerstände gab es übrigens bei den Arbeitern dagegen, dass die Dauer der Arbeitsschritte mit der Stoppuhr gemessen wurden! Die haben sich was getraut damals, was?! Heute ist das in vielen großen Unternehmen ganz normal. Spitz zusammengefasst könnte man sagen: Früher erschuf der Tischler über einen längeren Zeitraum seinen Tisch, und dieser Tisch hatte auf Grund des individuellen und kreativen und selbstwirksamen Schaffens des zufriedenen Tischlers eine Seele. Heute produzieren wenige Menschen in Fabriken an großen Maschinen den ganzen Tag lang ein und denselben Tischfuß, ein und die selbe Tischplatte für ein und denselben, seelenlosen Tisch.

 

Noch ein letzter fun fact, bevor ich langsam zur Quintessenz dieses Artikels komme:


Burnout - Von der Leichtigkeit des Seins

Wie Du Deinen inneren Stressknoten auflöst und Dich endlich aus dem Burnout befreist!

 

10 Kapitel über die Gefühlswelt und deren Neuordnung im Burnout-Prozess. Plus: 4 neue Übungen, u.a.:

  • um Deine Regeneration & Heilung zu förden
  • Deine eigene Energie zu erfahren & zu lenken
  • Deine innere Stabilität zu schaffen & zu erhalten


Die Arbeiter sahen es zu Beginn der Industrialisierung gar nicht ein, mehr zu arbeiten als nötig! Wurde der Lohn ausgezahlt, so ließen sie die Maschinen einfach stehen. Zur Motivation senkten die Fabrikanten die Löhne und zwangen die Belegschaft durch Hungerlöhne, immer mehr zu arbeiten.

 

Falls Du jetzt denkst, ich habe mir das ausgedacht, weit gefehlt! Dies stand einem Beschreibungstext zu einer Folge "Planet Wissen" der ARD, welcher Kindern die Geschichte der Arbeit erklärt.

 

Ist Deine Arbeit Dein Lebenssinn? 3 gute Fragen:

 

So! Was für eine wunderbare Überleitung! Endlich sind wir in unserer Zeit zurück. Ich möchte Dich einladen, mal in Dich reinzuspüren und vielleicht auch anhand der Geschichte mit folgenden drei Fragen abzugleichen, wie selbstwirksam Du in Deinem Alltag, und wie Zuhause Du insbesondere in Deinem Berufsalltag sein kannst.

1. Wie viel von Deinem Leben Du siehst, macht einen großen Teil Deiner Zufriedenheit allgemein aus. Wir Menschen mögen Vertrautheit, Verbundenheit und Einklang und wir fühlen uns unwohl und ein wenig verloren in Abspaltung und Trennung, auch wenn sie Lebensbereiche und Orte und nicht unbedingt unsere Partnerschaft betreffen. Abgesehen davon, wie zu Hause und in DEINEM Leben Du Dich an Deinem Arbeitsplatz fühlst oder nicht, kannst Du Dich auch fragen, wie gesund oder wohltuend die Sinneseindrücke sind, die Dich täglich am Arbeitsplatz umgeben. Kannst Du Dich mit ihnen identifizieren? Ein Landschaftsgärtner ist hier noch näher an der Natur unserer ursprünglichen Bedürfnisse was die Sinneseindrücke, die uns täglich umgeben am Arbeitsplatz angeht, als ein Fabrikarbeiter. Grün, bunt, abwechslungsreich vs. grau, laut und monoton zum Beispiel.

 

2. Eine weitere, gute Frage wäre, wie es mit Deiner Selbstwirksamkeit im Sinne von kreativ sein und "Neues-einbringen-und-ausprobieren-dürfen" aussieht.

 

Das Gefühl zu haben, nichts optimieren zu dürfen, selbst wenn die Vorteile noch so offensichtlich wären, das Gefühl zu haben, sich nicht einbringen und mitgestalten zu dürfen, das Gefühl, das eigene Potential unterdrücken zu müssen, ist einer DER Frustfaktoren schlechthin. Und wenn Fromm Recht hat, und es der Sinn unseres Lebens ist, Erfüllung in unserem Schaffen zu finden, indem wir uns darin auch weiterentwickeln, dann meine ich, dass das eigene Potential unterdrücken zu müssen und sich nicht ausprobieren und mit der eigenen Selbstwirksamkeit experimentieren zu dürfen, nicht nur frustrierend, sondern auf Dauer tatsächlich deprimierend und krankheitsfördernd ist.

 

3. Siehst Du Ergebnisse? Erfährst Du Erfolge? Ist es möglich für Dich, Projekte oder Aufgaben abzuschließen und im Nachhinein zu sehen, dass Du etwas erreicht hast? Das große Ganze? Dein beseelter Tisch? Oder geht es Dir wie den Fließbandarbeitern, die den ganzen Tag Maschinen in verstaubten Werkshallen zuschauen müssen, wie sie immer und immer wieder nur dasselbe Teil für ein Ergebnis produzieren, welches sie in seiner Vollendung nie zu Gesicht bekommen. Ist Deine Arbeit eine Endlosschleife ohne Anfang und Ende? Immer wieder zu erleben, dass die eigene investierte Energie einfach ergebnislos verpufft, das Gefühl der Austauschbarkeit und der Beliebigkeit im Bezug auf die eigene Schaffenskraft ist ungefähr so krankheitsfördernd, wie das Unterdrücken des eigenen Potentials.

 

Und was Du nun mit all den Erkenntnissen aus diesem Artikel anstellen und wie Du sie für Deinen Lebensalltag und Lebenssinn nutzen kannst, erfährst Du im dritten Teil meiner Artikel-Trilogie "Arbeit, Familie, Leben – Teil 3: Leben".

 

Vorher empfehle ich Dir jedoch, Dich im zweiten Artikel dieser Trilogie einem weiteren, wichtigen Lebensinhalt zu zuwenden: Deiner Familie.

 

Also, bis gleich! ;-)

 

Deine Suzy.

 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus:  Podcast Staffel 4 Folge 7 "Arbeit, Familie, Leben – Teil 1: Arbeit":



 

Ich bin Suzy - Ayurveda Therapeutin und Burnout Coach bei Burnout Coaching Berlin.

 

In meinem Mini-Blog und in meinem Podcast "Burnout – Von der Leichtigkeit des Seins" erfährst Du alles darüber, wie Du Deinen individuellen Weg aus dem Burnout findest.



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